Vitaminmangel über 65: warum Vitamine im Alter knapp werden

Jede Zweite ab 65: Warum Vitaminmangel im Alter so häufig ist

Stellen Sie sich vor, die Hälfte aller Menschen ab 65 Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz könnte unbemerkt einen Vitaminmangel entwickeln. Tatsächlich zeigen aktuelle Untersuchungen: Besonders ältere Erwachsene sind von einer unzureichenden Versorgung mit essenziellen Vitaminen und Mineralstoffen betroffen. Doch woran liegt das? Warum sind die Warnzeichen oft unsichtbar? Und vor allem: Was können Sie selbst tun, um bis ins hohe Alter vital und gesund zu bleiben?

Hintergrund & Ursachen: Warum Vitamine im Alter knapp werden

Mit zunehmendem Alter verändert sich unser Körper – und damit auch die Art, wie Vitamine aus der Nahrung aufgenommen und verwertet werden. Bereits ab etwa 65 Jahren sinkt der Grundumsatz, das Geschmacksempfinden verändert sich und Verdauungsvorgänge verlangsamen sich. Viele Menschen essen dadurch weniger – oder verzichten aufgrund von Kaubeschwerden, Appetitlosigkeit oder Erkrankungen wie Rheuma auf bestimmte Lebensmittel. Hinzu kommen Medikamente, chronische Erkrankungen und ein gesteigerter Bedarf bei bestimmten Gesundheitszuständen. Das Zusammenspiel dieser Faktoren führt dazu, dass Vitalstoffe wie Vitamin D, Vitamin B12, Folsäure oder Calcium nicht mehr in ausreichender Menge zugeführt oder aufgenommen werden. Der Körper kann diese Versorgungslücke oft nur schwer kompensieren.

Ein besonderes Risiko besteht, wenn mehrere dieser Faktoren zusammenfallen – zum Beispiel bei Menschen mit Diabetes, bei diejenigen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, sowie bei älteren Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die wenig in die Sonne gehen.

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Die Rolle von Nährstoffen und biologischen Mechanismen im Alter

Warum sind bestimmte Vitamine und Mineralstoffe im Alter besonders relevant? Das liegt an wichtigen biologischen Funktionen, die sie erfüllen:

  • Vitamin D: Unterstützt das Immunsystem, den Erhalt normaler Knochen und Muskelfunktion – ältere Haut produziert jedoch bis zu viermal weniger Vitamin D als jüngere.
  • Vitamin B12: Entscheidend für Nervenfunktion, Gedächtnis und Blutbildung. Mit steigendem Lebensalter lässt die Aufnahmefähigkeit im Magen-Darm-Trakt nach.
  • Folsäure: Trägt zur Zellteilung und normalen Blutbildung bei, auch das Herz-Kreislauf-System profitiert. Viele Senioren nehmen zu wenig davon auf – insbesondere, wenn wenig frisches Obst und Gemüse auf dem Speiseplan steht.
  • Calcium: Knochenstabilität und Zahnerhalt sind im Alter besonders wichtig, da Osteoporose-Risiko und Zahnverlust ansteigen können.
  • Vitamin C und E: Schützen Zellen und das Immunsystem, unterstützen den Kollagenaufbau. Beide wirken als Antioxidantien gegen Zellstress.

Ein weiteres Problem: Bestimmte Medikamente, darunter Blutdrucksenker, Magensäureblocker und Diuretika, können die Aufnahme oder Verwertung einzelner Nährstoffe weiter mindern. Besonders Menschen mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder chronischen Magen-Darm-Problemen sollten im Gespräch mit Ärztin oder Arzt eine mögliche Unterversorgung klären.

Alltagsrelevanz und Zielgruppen: Wer sollte besonders aufmerksam sein?

Von einem erhöhten Risiko für Vitaminmangel sind vor allem Personen betroffen, die:

  • über 65 Jahre alt sind, insbesondere Frauen nach der Menopause,
  • unter chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma oder Herz-Kreislauf-Leiden leiden,
  • sich einseitig oder stark kalorienreduziert ernähren,
  • regelmäßig Medikamente einnehmen, die den Nährstoffhaushalt beeinträchtigen,
  • wenig Sonne abbekommen, etwa durch Aufenthalt in Pflegeeinrichtungen oder eingeschränkte Mobilität,
  • bewusst auf bestimmte Lebensmittelgruppen verzichten (Vegetarier, Veganer).

Gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz – mit langen Wintern und teils traditionell fleischlastigen, aber zugleich ballaststoffarmen Kostformen – ist eine bewusste Auswahl nährstoffreicher Lebensmittel besonders notwendig. Häufig unterschätzt wird der Einfluss von Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkohol und unausgewogener Ernährung.

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Ein Blick auf die Studienlage: Zahlen zeigen Handlungsbedarf

Zahlreiche repräsentative Untersuchungen belegen: Die Unterversorgung mit Vitaminen ist unter älteren Erwachsenen ein epidemiologisch relevantes Problem. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung erreicht bei Vitamin D weniger als ein Drittel der über 65-Jährigen optimale Spiegel, während Studien aus Österreich und der Schweiz ähnliche Tendenzen zeigen. Bis zu 60 Prozent der Seniorinnen und Senioren weisen zudem zu niedrige Werte von Vitamin B12 auf. Der Mikronährstoffmangel bleibt oft lange unbemerkt, weil erste Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Gedächtnisschwäche nicht direkt mit einer Unterversorgung in Verbindung gebracht werden.

Wissenschaftliche Daten untermauern auch: Ein ausgeglichener Nährstoffhaushalt trägt zu besserer Alltagsmobilität, einer stabilen Knochengesundheit und geistiger Fitness bei. Menschen mit Diabetes sowie andere chronisch Erkrankte profitieren besonders von einer gezielten Versorgung mit allen notwendigen Vitaminen und Mineralstoffen. Werden diese Defizite rechtzeitig erkannt und ausgeglichen, steigt Lebensqualität und Teilhabe am Alltag nachhaltig an.

Praktische Tipps für den Alltag: So beugen Sie einem Vitaminmangel vor

Die gute Nachricht: Schon kleine Veränderungen in der Lebensweise helfen, einem möglichen Vitaminmangel im Alter gezielt entgegenzuwirken. Die wichtigsten Empfehlungen im Überblick:

  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen: Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Vitamin-Checks. Gerade bei älteren Menschen oder Vorerkrankungen wird so eine Unterversorgung rechtzeitig erkannt.
  • Abwechslungsreiche Ernährung: Setzen Sie täglich auf bunte Gemüse- und Obstsorten, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte sowie fettarme Milchprodukte für die Calciumzufuhr. Eier, Fisch und mageres Fleisch liefern Vitamine der B-Gruppe.
  • Vitamin D dank Sonne: Gehen Sie, sofern möglich, regelmäßig bei Tageslicht nach draußen – Gesicht, Arme und Hände sollten (ohne Sonnencreme) etwa zehn bis zwanzig Minuten Sonne im Freien abbekommen. In den Wintermonaten können sinnvolle Nahrungsergänzungen in Erwägung gezogen werden (immer nach Rücksprache).
  • Moderation bei Medikamenten: Nehmen Sie auf ärztlichen Rat keine Nahrungsergänzungen ein, wenn Sie blutverdünnende Medikamente oder andere kritische Präparate erhalten. Wechselwirkungen müssen vermieden werden.
  • Sport und Bewegung: Durchhalten lohnt sich! Leichte Bewegung verbessert Kreislauf und Appetit und regt die körpereigene Vitaminverwertung an.
  • Vorsicht bei restriktiven Diäten: Besonders Menschen mit Diabetes sollten eine zu starke Einschränkung beim Essen vermeiden, sofern nicht medizinisch notwendig.
  • Tipp für pflegende Angehörige: Beobachten Sie Veränderungen bei Appetit und Gewicht, ein Gespräch mit Hausarzt oder Ernährungsberatung kann frühzeitig helfen.

Moderne Familienküche in Deutschland, Österreich und der Schweiz lässt sich inzwischen sehr gut an individuelle Bedürfnisse von älteren Menschen anpassen. Suppen, Smoothies, leicht zu kauende Gerichte und abwechslungsreiche Kost machen das Essen auch bei Prothesen, Kau- oder Schluckproblemen attraktiv und wertvoll.

Fazit & Impuls für den nächsten Schritt: Gesundheitsvorsorge beginnt jetzt

Ein ausgewogener Vitamin- und Mineralstoffhaushalt bildet die Grundlage für Lebensfreude, geistige Vitalität und körperliche Selbstständigkeit im Alter. Die erschreckende Zahl, dass jede zweite Person ab 65 Jahren von einem Vitaminmangel betroffen ist, sollte daher als Aufruf verstanden werden: Nehmen Sie Ihre Vorsorge eigenverantwortlich in die Hand! Überprüfen Sie gemeinsam mit Ihren medizinischen Ansprechpersonen regelmäßig Ihre Nährstoffversorgung, passen Sie Ihre Ernährung altersgerecht an und nutzen Sie die vielseitigen Tipps, um Defizite rechtzeitig auszugleichen. Dabei gilt: Vorsicht vor eigenmächtiger Ergänzung – nur die individuell abgestimmte Versorgung bietet echten Gewinn. Gesund älter werden ist möglich

Autor

Dr. Hari Sven Krishnan

Dr. Hari Sven Krishnan
Apotheker und arbeitet seit über 25 Jahren im Gesundheits­wesen. Er fokussiert sich dabei vor allem auf die Ent­wicklung natürlicher Arznei­mittel.

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