Diabetes & plötzlicher Herztod: Die unterschätzte Gefahr – und wie mit Ernährung, Bewegung & Checks das Risiko deutlich reduziert werden kann

Unerwartete Gefahr: Warum Menschen mit Diabetes ein deutlich erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod haben

Plötzlicher Herztod – ein Moment, der meist ohne Vorwarnung passiert und fatale Folgen hat. Besonders Menschen mit Diabetes tragen ein viel höheres Risiko als bislang angenommen, wie aktuelle Studien zeigen. Warum ist das so? Welche biologischen Mechanismen stehen dahinter und was bedeutet diese Erkenntnis für den Alltag von Millionen Betroffenen in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Dieser Beitrag erklärt Hintergründe leicht verständlich, räumt mit Mythen auf und gibt praktische Empfehlungen für ein bewussteres Leben mit Diabetes und Herzgesundheit.

Hintergrund & Ursachen

Diabetes mellitus zählt in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu den am weitesten verbreiteten chronischen Erkrankungen – mit stetig steigenden Fallzahlen. Nach aktuellen Schätzungen sind allein in Deutschland rund 8,7 Millionen Menschen betroffen. Doch vielen ist nicht bewusst, dass Diabetes weit mehr als "nur" Blutzuckerprobleme bedeutet. Die chronische Stoffwechselerkrankung gilt mittlerweile als einer der zentralen Risikofaktoren für koronare Herzkrankheiten und – wie neuere Forschung belegt – insbesondere für den plötzlichen Herztod.

Beim plötzlichen Herztod kommt es zu einem unerwarteten Herzstillstand meist infolge gravierender Herzrhythmusstörungen. Studien aus den USA zeigen: Menschen mit Diabetes haben – unabhängig von anderen Risikofaktoren – ein zwei- bis achtfach erhöhtes Risiko für diesen lebensbedrohlichen Notfall. Die Gründe sind vielfältig:

  • Chronische Gefäßschäden (Arteriosklerose): Diabetes fördert eine schleichende Verkalkung der Herzgefäße.
  • Diabetische Neuropathie: Nervenschäden beeinträchtigen die Regulationsfähigkeit des Herzrhythmus.
  • Veränderte Blutzuckerwerte: Schwankungen zwischen Unter- und Überzuckerungen erhöhen die Gefahr von Herzrhythmusstörungen.

Hinzu kommt: Viele Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen treten bei Diabetikern gemeinsam auf und verstärken sich gegenseitig. So entsteht ein komplexes Geflecht pathologischer Prozesse, das die Herzfunktion massiv beeinträchtigen kann.

Die Rolle von Nährstoffen und biologischen Mechanismen

Der Zusammenhang zwischen Diabetes und erhöhtem Risiko für plötzlichen Herztod erklärt sich teilweise aus Störungen in essenziellen Stoffwechselwegen und der Versorgung des Herzmuskels mit wichtigen Nährstoffen und Elektrolyten im Körper.

  • Veränderte Glukose- und Insulinhaushalte: Schwankende oder dauerhaft hohe Blutzuckerwerte führen zu einer erhöhten Belastung der Gefäßinnenwände. Kleine Entzündungsherde begünstigen die Atherosklerose.
  • Magnesium- und Kalium-Mangel: Bei Menschen mit Diabetes treten Elektrolytstörungen häufiger auf, teils durch vermehrte Ausscheidung über die Nieren oder Nebenwirkungen von blutzuckersenkenden Medikamenten. Ein Mangel an diesen Elektrolyten kann die elektrische Aktivität des Herzens stören und somit Herzrhythmusstörungen begünstigen.
  • Ligandengesteuerte Rezeptoren und Entzündungsprozesse: Neuere Forschung zeigt, dass chronisch erhöhte Glukosewerte die Aktivität bestimmter Rezeptoren für Entzündungsmediatoren beeinflussen. Dies begünstigt die Bildung von Narbengewebe im Herzmuskel ("fibrotische Umbauprozesse"), wodurch die elektrische Weiterleitung im Herzen gestört werden kann.
  • Herz-Autonomie und diabetische Neuropathie: Gerade bei langjährigem Diabetes kann es zu Störungen des autonomen Nervensystems und damit der Herzfrequenzregulation kommen.

Diese und weitere Faktoren wirken sich zusammengenommen ungünstig auf die Herzelektrik aus – zum Teil lange, bevor erste Symptome auftreten.

Alltagsrelevanz und Zielgruppen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache sowohl in Deutschland als auch in Österreich und der Schweiz – ein Umstand, der Diabetiker besonders beunruhigen sollte. Statistisch gesehen betrifft der plötzliche Herztod vor allem Menschen ab dem mittleren Lebensalter, doch das Risiko steigt bereits ab dem 40. Lebensjahr deutlich an. Diabetiker bilden eine spezielle Hochrisikogruppe:

  • Typ-2-Diabetiker: Das Risiko ist besonders dann erhöht, wenn Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Fettstoffwechselstörungen vorliegen.
  • Typ-1-Diabetiker: Auch hier erhöht sich das Risiko, vor allem bei langer Krankheitsdauer und bestehenden Folgeschäden.
  • Frauen mit Diabetes: Neuere Daten aus den USA weisen darauf hin, dass insbesondere jüngere bis mittelalte Frauen ein überproportional erhöhtes Risiko für plötzlichen Herztod haben.

Alltagsrelevant ist dieses Wissen vor allem, weil Symptome fehlinterpretiert oder ignoriert werden können. Herz-Kreislauf-Risiken wie Brustschmerzen, Kurzatmigkeit, Herzklopfen oder plötzliche Schwäche werden bei Diabetikern vielfach auf die Grunderkrankung zurückgeführt, ohne die eigentlichen Auslöser zu hinterfragen. Prävention und rechtzeitiges Handeln sind hier entscheidend.

Praktische Tipps für den Alltag

Wie kann das persönliche Risiko reduziert werden? Was können Diabetikerinnen und Diabetiker sowie ihre Angehörigen im Alltag tun?

  • Regelmäßige Vorsorge-Checks: Mindestens einmal jährlich sollten Blutzuckerstatus, Herz-Kreislauf-System und der Elektrolythaushalt überprüft werden. In Deutschland empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Hausarzt oder Diabetologen.
  • Blutzucker optimal einstellen: Schwankungen vermeiden – sowohl Unter- als auch Überzuckerungen können das Herz gefährden.
  • Blutdruck und Cholesterin kontrollieren: Idealerweise sollten diese Werte im Zielbereich bleiben, um das Herz zusätzlich zu schützen.
  • Herzfreundliche Ernährung: Viel Gemüse, Vollkorn, gesunde Fette und wenig Zucker. Speziell Magnesium und Kalium aus natürlichen Quellen wie Hülsenfrüchten, Nüssen, grünem Gemüse und Bananen werden empfohlen.
  • Regelmäßige Bewegung: Schon 30 Minuten moderate Aktivität (z.B. zügiges Spazierengehen, Radfahren) können das Risiko deutlich senken.
  • Nikotin- und Alkoholreduktion: Beide Faktoren erhöhen das Risiko für Herzrhythmusstörungen und sollten gemieden werden.
  • Symptome ernst nehmen: Plötzliche Schwäche, Schwindel, Brustenge oder Herzrasen sind ernst zu nehmen; im Zweifel sofort ärztliche Hilfe suchen. Ein Notfallset und die Einweisung in Erste-Hilfe können Leben retten.

Für Menschen mit bereits bestehenden Herzproblemen oder Vorhofflimmern gilt eine besonders enge Anbindung an spezialisierte Kardiologen. In einigen Fällen kann eine Therapie mit Herzschrittmachern oder implantierbaren Defibrillatoren indiziert sein.

Fazit & Impuls für den nächsten Schritt

Diabetes ist mehr als eine Stoffwechselerkrankung – insbesondere das erhöhte Risiko für plötzlichen Herztod rückt zunehmend in den Fokus der Forschung und Präventionsmedizin. Wer im DACH-Raum mit Diabetes lebt, sollte Herzgesundheit zur dauerhaften Priorität machen. Eine Kombination aus gesunder Lebensweise, regelmäßigen Kontrollen und dem Bewusstsein für Warnzeichen kann die Gefahr eines unerwarteten Herzstillstands deutlich senken.

Nutzen Sie die Möglichkeit, Ihr individuelles Risiko professionell einschätzen zu lassen und sprechen Sie aktiv mit Ihrem Hausarzt, Endokrinologen oder Kardiologen über Maßnahmen zur Herzprävention. Denn: Jeder Tag ohne Herzproblem ist ein gewonnener Tag an Lebensqualität.

Quellen

  1. [1] Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Diabetes und kardiovaskuläres Risiko. Leitlinie (Stand 2023).
  2. [2] Deutsche Herzstiftung: Plötzlicher Herztod – Ursachen und Prävention. Online-Ratgeber (2023).
  3. [3] Schweizerische Diabetes Gesellschaft: Herz-Kreislauf-Komplikationen bei Diabetes. Ratgeber für Betroffene und Fachpersonal.
  4. [4] Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG): Diabetes & Herz – Risiko erkennen und handeln.
  5. [5] U.S. News & World Report: People With Diabetes Face Dramatically Higher Odds Of Sudden Cardiac Death (2024).
  6. [6] European Society of Cardiology (ESC): Diabetes and Cardiovascular Disease. Position Papers & Factsheets.
  7. [7] Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK): Studien zu Diabetes und Herztod.
  8. [8] Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Plötzlicher Herztod – Informationen und Präventionshinweise.

Autor

Dr. Hari Sven Krishnan

Dr. Hari Sven Krishnan
Apotheker und arbeitet seit über 25 Jahren im Gesundheits­wesen. Er fokussiert sich dabei vor allem auf die Ent­wicklung natürlicher Arznei­mittel.

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